Kalles`s 1. Filstal-Ultra und Mittsommernachtslauf
  22.06.2020

Die Idee als echter Filstaler einmal den kompletten Verlauf der Fils, von der Quelle bis zur Mündung, am Stück durchzulaufen hatte unser Ultraläufer Kalle ja schon lange. Der Streckenverlauf musste nicht lange ausgeplant werden, gibt es doch den gut ausgeschilderten Filstalradeweg, der sich vom Parkplatz Bahnhöfle bei Schopfloch bis hinunter zum Neckarknie bei Plochingen über fast 70 Kilomter hinweg erstreckt.
Unter normalen Umständen zählen die Monate Mai und Juni zu den Höhepunkten bei den Langdistanzläufen. Doch wegen Corona sind Frühjahres Klassiker wie der Albtraum 100, die traditionsreichen 100km in Biel und auch der Zugspitz Ultra Trail mit über 100km abgesagt worden.Was also tun mit der während des Lockdowns antrainierten Form? Dass wir LIWA-LaufTreffler nicht nur sehr aktiv, sondern auch äusserst krativ sein können, haben wir ja mit den zahlreichen Challenges zur Überbrückung der kontaktarmen Zeit im April und Mai eindrucksvoll bewiesen.

Die 70km lange Strecke, direkt vor der eigenen Haustür, zwischen Filsursprung und Münndung ist aufgrund des überwiegend sehr flachen Verlaufes auch für Läufer*innen geeignet, die sich mal an längere Distanzen heranwagen wollen. Von der Logistik her war es für die Gruppe jedoch einfacher die Route in umgekehrter Richtung, nämlich flussaufwärts vom Neckar bis zum Filsursprung bzw. inklusive Verlängerung bis zum Wanderparplatz Bahnhöfle zu laufen.
Ursprünglich war der Termin für das erste Juni Wochenende, mit Start um Mitternacht, als Ersatz für den geplanten 100km langen Nachtlauf in Biel geplant. Doch damals war das Wochenende so verregent, dass man sich entschied es als Mittsommernachtslauf auf das vergangene Wochenende zu terminieren. Diesesmal wollte man jedoch bei Tageslicht starten und in den Sonnenuntrgang hinein laufen.

Am Samstag Nachmittag machten sich mit Armin, Dani, Gunther, Kalle, Klausi, Oli, Walter, Wolfgang sowie den Damen Kata und Michaela schließlich 10 LIWA- Läufer*innen incl. Kirsten als Fahrradbegleiterin in Plochingen direkt an der Mündung der Fils in den Neckar auf den Weg. Auf der Strecke wurde man noch mit dem Auto von Andrea und Renate begleitet, die im Abstand von jeweils ca. 10 Kilometer Verpfelgungspunkte organisierten. Aufgrund der noch geltenden Corona Regelungen lief man überwiegend paarweise und mit ausreichend Abstand zueinander, achtete aber auch darauf dass man sich nie aus den Augen verlor, da es sich um ein Gruppenerlebnis und nicht um einen Wettkampf handelte.
Die ersten 20 Kilometer bis Göppingen führen angenehm auf einem Schotterweg direkt neben der Fils entlang.  Zwischen Göppingen und Süßen folgte der langweiligste Abschnitt, da dieser überwiegend durch die Industriegebiete  von Göppingen und Eislingen führt. Langsam  stiegen die Temperaturen schon deutlich auf über 25 Grad und auf den Asphaltwegen gab es nur wenig Schatten. Umso dankbarer war man, dass der VP-Service von Andrea & Renate mit erfrischenden Getränken, Obst und sonstigem was Läufers Muskulatur so benötigt, perfekt vorbereitet war.
Nach Gingen führte die Route an zahlreichen Kleingartenanlagen vorbei bis nach Geislingen. Hier hatte man nach ziemlich genau 5 Stunden und 42 Kilometern die Marathondistanz geschafft.
Hier wollte man dann auch kurz einen Abstecher in einen Biergarten machen um sich mit einem schönen kalten Getränk zu erfrischen, aber leider war der Prozess dafür coronamäßig zu kompliziert und auch viel zu zeitraubend, dass man hätte das umsetzen können. Schade, aber das muss man jetzt eben auch so mit bedenken. Also ging es erstmal wieder direkt neben der Fils entlang weiter in Richtung Bad Überkingen. Dort gab es zwar keinen Biergarten, dafür aber einen Dorfbrunnen der für eine kleine körperliche Erfrischung herhielt. Mittlerweile war es fast 19 Uhr und man hatte noch ber 20 Kilometer vor sich. In der eher dörflichen Gegend wurden die Bedingungen auch wieder besser. Ein leichter Wind kühlte die schon erhitzen Körper angenehm ab. Über Bad Ditzenbach und Mühlhausen ging es dann unter der neu entstehenden „Filstalbrücke“ im Rahmen des Bahnprojektes  Stuttgart 21, immer weiter nach hinten ins Täle bis nach Wiesensteig. Bestens gelaunt sah man dass der Filsursprung demnächst erreicht war und es bis zum ausermachten Ziel, dem Bahnhöfle, nur noch 10 Kilometer sind. Doch wie aus dem Nichts begann es plötzlich an zu regnen und zwar so kräftig, dass sich rasend schnell fließendes Wasser auf den Wegen bildete. In nur wenigen Minuten war man völlig durchnäßt, stand praktisch mit beiden Füßen im Wasser und die Temperatur sank in kürzester Zeit auf 10 Grad ab. Es war fast wie im Rgenwald. Mit einem Blick ins weitere Tal erkannte man schnell, dass es sich nicht nur um eine verirrte Regenwolke handlete, sondern man sich auf der Schlussetappe auf eine längere Regenphase einstellen mussten. Kurz darauf, an der Papiermühle, wartet ein letztes mal auch der VP-Service. Doch wegen des Regengusses war der Aufenthalt nur kurz. Man wollte schnell weiterlaufen um die Körpertemperatur hoch zu halten. Irgendwie paradox, wollte man noch vor einer Stunde die Temperatur extra runter kühlen. Doch die Läufer konnten nochmal Kräfte mobilisieren und zogen das Tempo so gut es ging noch an. Am Filsursprung sammelte man sich nochmal für ein Gruppenfoto bevor es im Schlusspurt in den steilsten Abschnitt hoch bis zum Zielpunkt am Parkplatz Bahnhöfle ging. Dort angekommen fand man ein mittlerweile verlassenes, aber noch kräftig loderndes Lagerfeuer vor. Schnell stellte man sich drumherum um etwas Wärme aufzusaugen. Am Ende standen 70 Kilometer mit 650 Höhenmeter und eine Laufzeit von 8,5 Stunden zu buche. Natürlich bekam jeder Läufer auch eine selbstgebastellte Finsihermedaille umgehängt. Da auch der Abholdienst gut orgnaisiert war, gab es gleich die Möglichkeit sich zu trocknen und umzuziehen. Leider wurde es nichts mit dem gemeinsamen Blick von der schwäbischen Alb in den Sonnenuntergang hinein. Das Zielbierchen konnten trotz aller Widrigkeiten noch genossen werden.