Corona! Fluch oder Segen auch wenn man nicht angesteckt wurde?
  13.05.2020

Da war Läufer´s Welt noch in Ordnung

Aus Sicht eines Betroffenen, dem die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung machte.

„Fing doch alles ganz toll an. Laufbetreuer-Schulung erfolgreich grad noch beim letzten Kurs vor der Krise abgeschlossen, viele neue Erkenntnisse mitgenommen vom Kurs und gierig, alles auszuprobieren. Doch dann schlägt Corona richtig zu, plötzlich haben alle mehr Zeit, man läuft - bzw. trainiert – alleine und nicht mehr zu den üblichen Trainingszeiten nein, jetzt kann man jeden Tag was tun. Ja, man soll zwar anfangs alleine unterwegs sein, aber mit Abstand geht das auch zu zweit. So konnte ich regelmäßig mit unserem Trainer-Trainer ne Runde drehen. Schnell musste ich überraschend feststellen, dass ich in so einen Zweitagesrhythmus reingekommen bin und keine Strecke kürzer als 20 km war. Wow, was für Erfolg, jede Woche so circa drei Halbmarathons ohne Probleme und die Laufzeiten werden immer besser.

Schnell kamen abwechslungsreichere und eher unbekannte Strecken hinzu. Das war schon immer mein Ding und ich hab das auch vor vielen Jahren, als es den Lauftreff für mich noch nicht gab schon so gehandhabt und aus meiner Zeit, als ich noch bikenderweise unterwegs war, übernommen. Immer wieder neue Strecke ausprobieren macht Spaß und man lernt so richtig seine Heimat kennen. Oft wurde ich gefragt, woher ich diese und jene Wege und Geheimtipps mit schönen Ausblicken kennen würde, ja das kommt von so was!

Anfangs haben wir bei unbekanntem Terrain überlegt, ob wir eine Abzweigung nehmen sollten oder nicht. Aber nach der Devise „wenn nicht jetzt wann dann?“ gabs kein langes fackeln mehr, erst recht nicht bei Trail ähnlichem Gelände. Das war denn wohl der Anfang von meinem Ende. Denn solche Trails gehen oft auch mal bergab. Da muss ich mir wohl an einer harten Baumwurzel oder auf Geröll die Fersenplatte gereizt haben. Die Schmerzen gingen anfangs nach einem Tag weg, aber mit der Zeit war schmerzfreies Laufen nicht mehr möglich.

Am 14. April war dann nach einer Runde mit 22,3 km erst mal Schluss. Die Hausärztin hatte Angst, dass es ein Ermüdungsbruch sei und hat mich dann zum Speziallisten geschickt. Röntgen, MRT und einige Sprechstunden später dann die Erkenntnis, kein Fersensporn und kein Bruch, aber eine Entzündung der Plantar Faszie, das ist die vom Fersenbein ausgehende Faszienplatte.

50 Stück Ibuprophen 600 darf ich jetzt nehmen, am Anfang drei Stück am Tag. Hinzu bekomme ich noch Einlagen zur Heilungsunterstützung. Muss das denn sein?

Früher hab ich die IBUs nur im Notfall genommen, da war eine schon völlig ausreichend und ich hab mich gefühlt wie im Rausch. Jetzt nehm ich drei und merke nichts, absolut keine Wirkung! Und wenn du dann googelst bereust du schnell ins Internet geschaut zu haben. Heilungsdauer mindestens ein Jahr oder länger, wenn überhaupt.

Hat die Coronakrise jetzt doch noch was gutes, weil die meisten Läufe zu denen ich angemeldet war abgesagt wurden? Kann ich ruhig mal ein paar Monate nichts tun? Denkste, der Jungfrau Marathon steht noch. Soll ich den absagen und traurig verfolgen wie meine Kumpels ohne mich die teure Schweiz genießen und bei nem 8,50 € - Weizen die Eiger Nordwand bewundern? Würde schon weh tun und wer weiß, ob ich überhaupt noch laufen kann, dann müsste ich schauen wie ich meinen Startplatz an Mann bekomme. Also hoffen, dass auch der Lauf abgesagt wird?

Und warum hab ich dann den Laufbetreuer gemacht? Schluss mit der Betreuung von Laufneulingen, geht ja wohl schlecht vom Fahrrad aus. Die tollen Challenges die derzeit stattfinden sorgen auch nicht grad für bessere Stimmung und die Angebote im Internet, was man so daheim alles an Training machen kann, drück ich lieber schnell weg. Ständig piepst das blöde Handy, wenn die anderen der Laufgruppe melden, wieviel km sie mal wieder runtergespult haben. Und wehe ich steh auf die Waage, die freut sich grad über permanente Zunahme, ja man trinkt halt das eine oder andere Frustviertele zusätzlich und soll mir keiner sagen, dass man ohne Bewegung keinen Hunger mehr hätte. Essen geht immer, erst recht in meiner derzeitigen Lage. Ein Zugewinn an krisenbedingter Freizeit gabs für mich ja eh nicht, höchstens dadurch, dass jetzt meine Frau öfter mal kocht. Bringt aber auch nichts, dann was soll ich den tun? Laufen geht nicht und wehe ich mäh mal den Rasen, dann schmerzt abends der ganze Fuß und ich muss mir mein Bier aus ‘m Keller bringen lassen. Das war damals nach meinem ersten Bieler 100er auch so, aber das hielt nur ein paar Tage an, jetzt seh ich kein Licht am Ende des Tunnels. Hinzu kommt die Angst was falsch zu machen. Wehe ich beginn zu früh mit den ersten Metern. Strikte Anordnung vom Arzt, erst mal langsam zu walken, ängstigt mich noch mehr. Was ist wenn ich nicht schmerzfrei werde? Ich hab mir jetzt einen Termin gesetzt! Am 1.6. soll es wieder los gehen, ganz im Sinne meines Arztes. Drückt mir die Daumen, dass mein Spaziergang schmerzfrei endet und ich nicht das heulende Elend bekomme!

Alles wegen Corona! Und ihr versteht, dass ich momentan nicht an Covid-19 denke, wenn ich wünsche: „Bleibt gesund!““

Euer Jörg S.