Alb-Traum 100 – der Ultra-Traillauf auf der schwäbischen Alb
Der Alb-Traum100 ist ein Ultra-Trailrun-Wettbewerb, bei welchem der komplette Albtraufgänger-Wanderweg rund um Geislingen am Stück durchlaufen wird. 115 Kilometer ist der Albtraufgänger lang und es müssen allein im Anstieg ca. 3.500 Höhenmeter bewältigt werden. Das Besondere an diesem Event ist, dass es sich um einen Benefizlauf handelte, aus welchem seit 2018 bereits über 250.000 Euro direkt an soziale Einrichtungen im Landkreis Göppingen gespendet wurden.
Die Strecke ist nicht nur aufgrund der Distanz allein, sondern wegen der sehr wechselhaften Topologie auch für erfahrene Läufer nicht zu unterschätzen. Wem die Herausforderung über die 115 Kilometer doch etwas zu viel ist, konnte sich auch für den sogenannten Halb-Traum mit 60 km und 1.800 hm, also etwa die Hälfte der Strecke, entscheiden. Start und Ziel für beide Läufe war die Jahnhalle in Geislingen.
Insgesamt waren 340 Teilnehmende für die beiden Wettbewerbe zugelassen. Wegen der sehr hohen Anzahl an Interessenten mussten die Startplätze verlost werden. Auch innerhalb des LIWA-LaufTreffs ist das Interesse daran teilzunehmen jedes Jahr sehr groß. Letztlich bekamen 14 Läuferinnen und Läufern einen Startplatz zugelost, ein paar weitere müssen leider auf das nächste Jahr hoffen. Martin Dunker und Leander Schade hatten sich für die lange Distanz entschieden, während für Andrea Dravec, Melanie Sommer, Kata Siklodi, Cinzia Zeltenhammer, Andreas Beier, Wolfgang Hohlbauch, Gunther Krapf, Jörg Schneider, Rolf Schwarz und Jürgen Weinrauch der Halb-Traum die Herausforderung werden sollte.
Für ca. 100 Alb-Träumer ging es dann am Samstag um 4:00 Uhr in der Früh auf die lange Runde. Sowohl für Martin als auch für Leander war es die jeweils zweite Teilnahme über die 115km Distanz. Das Wetter zeigte sich sehr wechselhaft. Morgens recht kühl, später Regen und Graupelschauer, ab Nachmittag dann sonnig und entsprechend wärmer. Dennoch waren die Trails überwiegend gut laufbar. Martin benötige nur 14:48 Stunden und lief als 14. der Gesamtwertung im Ziel ein. Leander war exakt 19:00 Stunden lang unterwegs und damit fast 2 Stunden früher im Ziel als noch vor einem Jahr.
Der Start des Halb-Traums erfolgte um 9:00 Uhr. Hier gingen gut 240 Läuferinnen und Läufer auf die Strecke. Schnellster LIWA-Läufer war Wolfgang mit einer Zeit von 7:06 Stunden. Es folgte Jürgen (7:50 Std.), Cinzia und Gunther (je 8:34 Std.), Pierre & Kalle (8:42 Std.) kurz vor Andreas (8:43 Std.), Katalin mit Rolf (10:47 Std.) sowie Andrea, Melanie und Jörg (12:43 Stunden).
Der blinde Pierre Heim meistert den Halb-Traum!
Ebenfalls mittendrin im Feld über die 60 Kilometer war das LIWA-Lauftandem mit dem blinden Pierre Heim und seinem Guide Karlheinz Dravec. Ein Blinder nimmt an einem Ultra-Trailraun teil?
Allein schon die Distanz über 60 km mit einem Höhenprofil von 1.800 hm ist ja kaum vorstellbar und zusätzlich noch durch unwegsames Gelände, über Stock und Stein, auf schmalen Pfaden auf denen nur ein Fuß hinter den anderen passt? Was schier unglaublich klingt haben Pierre und Kalle gewagt. Natürlich haben die beiden darauf trainiert, sind ein eingespieltes Tandem und waren entsprechend vorbereitet. Leider sorgte das regnerische Wetter in den Tagen davor dafür, dass sich die Landschaft etwas anders präsentierte, als sie es von ihren Trainingseinheiten her kannten. Sie hatten mit einer Laufzeit von ca. 12 Stunden kalkuliert. Neben matschigen Pfaden, rutschigen Wurzeln und Steinen, sorgten auch abstehende Äste, Sträucher und Büsche auf Kopfhöhe dafür, dass sie die Natur etwas intensiver zu spüren bekamen. Aber das Tandem ließen sich davon kaum ablenken, sie liefen so lange es ging und gingen so lange bis es wieder laufbarer wurde. So blieben die beiden auch auf schwierigeren Abschnitten trittsicher, kamen sicher voran und liefen nach unglaublichen 8:42 Stunden wieder in Geislingen ein. Sie platzierten sich damit sogar so ziemlich genau im Mittelfeld der Gesamtwertung. Gelebte Inklusion im Sport in höchstem Maße.
Herzlichen Glückwunsch und ganz großen Respekt an alle die dabei waren und im Besonderen an Pierre, der sich mutig dieser Herausforderung gestellt hatte.
Ein großes Lob geht an die Organisatoren, denen es erneut gelungen ist den „Alb-Traum 100“ in der Region zwischen Stuttgart und Ulm, als einen herausragenden Ultra-Trailrun-Lauf zu platzieren und damit jährlich einen hohen Spendenbeitrag für soziale Einrichtungen in der Region generieren. Ein Traum dieser Alb-Traum!
Jürgen hat wiedereinmal ein tolles Video von seinem Lauf erstellt. Schau es dir gleich mal an → Link