Transalpine Run 2026 - 7 Tage - 250 km - 15.000 hm

  02.10.2026
Jürgen Weinrauch berichtet über seine Erlebnisse beim TAR 2026

Wenn man Freunden erzählt, dass man freiwillig sieben Tage am Stück durch die Alpen läuft, bekommt man meistens zwei Reaktionen: Entweder bewundernde Blicke oder die Frage, ob man noch alle Tassen im Schrank hat.

Ende August stand für mich genau dieses Abenteuer auf dem Programm: der Transalpine Run 2026. In sieben Etappen ging es von Lenzerheide bis nach Locarno am Lago Maggiore. Am Ende standen 246 Kilometer, jede Menge Höhenmeter, Schweiß und unvergessliche Eindrücke in der Bilanz.

Die Vorbereitung hätte allerdings durchaus besser laufen können. Wochenlang ärgerte mich eine Schleimbeutelentzündung an der Ferse. Mein Körper schien zwischenzeitlich der Meinung zu sein, dass Zero-Drop-Schuhe vielleicht doch keine gute Idee sind. Also wurde improvisiert, umgeplant und getestet. Besonders bei den Laufschuhen begann eine kleine Odyssee. Nach einigen Diskussionen mit meinen Füßen und zwei blauen Zehen hatten wir uns dann aber doch auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt.

Schon der erste Renntag verlief anders als geplant. Aufgrund einer Unwetterwarnung wurde die Strecke verkürzt. Während einige darüber enttäuscht waren, dachte ich mir insgeheim: „Nehme ich gerne mit." Schließlich lagen noch sechs weitere Tage vor mir, und die würden garantiert nicht kürzer werden.

Die eigentliche Bewährungsprobe folgte am zweiten Tag. Über 51 Kilometer durch die Schweizer Bergwelt. Während viele Läufer zu Beginn munter davonzogen, erinnerte ich mich an einen wichtigen Grundsatz: Ein Etappenrennen gewinnt man nicht am zweiten Tag, man kann es dort höchstens verlieren. Also blieb ich bei meinem Tempo und ließ mich nicht von der allgemeinen Euphorie anstecken. Rückblickend war das wahrscheinlich eine meiner besten Entscheidungen der gesamten Woche.

Die Tage bekamen schnell einen festen Rhythmus: aufstehen, laufen, essen, regenerieren und möglichst nicht darüber nachzudenken, dass am nächsten Morgen alles wieder von vorne beginnt. Erstaunlicherweise funktionierte das sogar ziemlich gut. Jeden Tag fragte ich mich, wie sich die Beine wohl anfühlen würden. Und jeden Tag waren sie erstaunlicherweise bereit, weiterzumachen. Offenbar hatten sie vergessen, wie viele Höhenmeter bereits hinter ihnen lagen.

Neben der sportlichen Herausforderung war die Landschaft ein absolutes Highlight. Von beeindruckenden Bergpanoramen über die Rheinschlucht bis hin zu den immer mediterraner werdenden Eindrücken im Tessin bot jeder Tag neue Ausblicke. Manchmal musste ich mich regelrecht daran erinnern, dass ich eigentlich an einem Rennen teilnehme und nicht auf einer Wanderreise.

Nach sieben Tagen und vielen Stunden auf den Trails erreichte ich schließlich das Ziel in Locarno. Der Blick auf das Zielbanner war ein Moment, den man nicht vergisst. Die Beine waren müde, der Körper ebenfalls, aber die Freude überwog deutlich. Und plötzlich waren die Strapazen der vergangenen Woche erstaunlich schnell vergessen.

Mein Fazit: Der Transalpine Run hat mir einmal mehr gezeigt, dass Ausdauersport vor allem Kopfsache ist. Natürlich helfen Training, gute Ernährung und eine durchdachte Vorbereitung. Aber manchmal reicht es auch, morgens aufzustehen, die Schuhe zu schnüren und den ersten Schritt zu machen. Der Rest ergibt sich dann irgendwie.

Und falls mich jemand fragt, ob ich so etwas noch einmal machen würde: Direkt im Ziel hätte ich vermutlich „Nein!" gesagt. Mit ein paar Wochen Abstand lautet die Antwort inzwischen wieder: „Mal schauen ..."

Wer die Alpenüberquerung noch einmal miterleben möchte, findet mein Video zum Transalpine Run auf meinem YouTube-Kanal „Just Walk, Run and Hike“: https://youtu.be/RvrSM_KhaPY?si=eAFGzBHfh-pbFSH0

 

Jürgen Weinrauch

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