100 Meilen Ultra Trail Pfälzer Weinsteig

  13.10.2026
Gunther, Wolfgang und Kalle laufen beim UTPW 100 Meilen über den Pfälzer Weinsteig

Der 173 km weite Pfälzer Weinsteig zählt zu den schönsten Fernwanderwegen Deutschlands. Er verläuft entlang der Deutschen Weinstraße und verbindet die Weinberge der Pfalz mit den Wäldern des Pfälzerwaldes und bietet eine umfangreiche Kombination aus sonnigen Weinbergen, schattigen Waldwegen, historischen Burgruinen, Felsformationen aus Buntsandstein und malerischen Winzerdörfern. Da der Wanderweg sehr gut ausgeschildert ist, hatte im vergangen Jahr tatsächlich jemand die Idee, den sogenannten Ultra Trail Pfälzer Weinsteig (UTPW) Wettbewerb über die komplette Distanz hinweg zu organisieren. 173 Kilometer sind etwas mehr als 100 Meilen und somit eine international anerkannte Distanz für Ultra-Trailrunner.  Hinzu kamen noch ca. 6.000 Höhenmeter. 

Hundert Kilometer am Stück sind schon viele vom LIWA-Lauftreff gelaufen, aber einhundert Meilen oder mehr ist dann doch nochmal eine ganz andere Dimension.  Das ist die Entfernung von hier aus bis zum Bodensee, nach Oberstdorf ins Allgäu oder bis an den Stadtrand von München.

Die LIWA-Läufer Wolfgang Hohlbauch und Gunther Krapf wollten sich am vergangenen Wochenende  in der Pfalz erstmals dieser Herausforderung  stellen. Hinzu kam noch die befreundete Läuferin  Melanie Bernadino-Rodrigo vom Albtraum 100 e.V. und Jürgen Kamrad von der Trailschmiede Ostalb, die sich ebenfalls erstmals für einen 100 Meiler angemeldet hatten. Karlheinz Dravec, der bereits Erfahrung über diese Distanzen hat, entschloss sich noch spontan die vier zu begleiten.

Der Start erfolgte am Freitag, 09. Oktober um 9:00 Uhr am Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach nahe der französischen Grenze. Das Ziel wartete im 173 km entfernten Bockenheim am Haus der Deutschen Weinstraße bei einem Zeitlimit von 39 Stunden. Das Wetter zeigte sich herbstlich wie die Landschaft. Das Quintett nahm sich vor möglichst lange gemeinsam zu laufen. Von Beginn an war es ein ständiges Auf und Ab. Hohe Berge hat es in der Pfalz ja nicht, aber irgendwie mussten die 6.000 Höhenmeter ja zusammen kommen. Der stetige Wechsel zwischen Abschnitten im Wald, am Rande von Weinbergen und dem durchlaufen von Dörfern sorgte für Abwechslung. Über die Gesamtdistanz hinweg gab es 9 Verpflegungspunkte, die allesamt bestens organisiert waren. Die Fünf dachten immer von einer Verpflegungsstation bis zur nächsten und kamen gut voran. Unterwegs passierte man berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Burg Trifels, das Hambacher Schloss, die Villa Ludwigshöhe und die Kalmit (mit 673 m der höchste Berg des Pfälzerwaldes).

Mit Beginn der Nacht wurde das Wetter etwas ungemütlicher. Starke Winde zogen auf und es begann immer mal wieder zu nieseln. Doch es wurde nie so richtig wüst, sodass man auch im Schein der Stirnlampen die Wegemarkierungen gut fand und sich trittsicher auf den Trails bewegen konnte. Morgens kurz nach 5 Uhr, also nach gut 20 Stunden Laufzeit, erreichte die Gruppe das Weinbiet Haus bei KM 112. Dort hatte man ein Dropbag deponieren können. Bis hierhin war allen die Dimension und die damit verbundene körperliche Belastung soweit bekannt, mit jedem weiteren Kilometer machte man ab jetzt eine neue Erfahrung. Was kann der Körper und vor allem der Kopf noch? 

Man nahm sich hier ausreichend Zeit um sich aufzuwärmen, Akkus zu laden und je nach Bedarf, Kleidung oder Schuhe zu wechseln oder Wundpflege zu betreiben. Nach gut einer Stunde Aufenthalt ging es in voller Gruppenstärke weiter in die Nacht. Mit Erreichen der nächsten Verpflegungsstation erhellte sich der Himmel. Auch wenn sich mittlerweile bei allen die Belastung deutlich bemerkbar machte, waren alle Fünf gut gelaunt und motiviert auch noch die restliche Distanz durchzuziehen. Es lagen ja nur noch gut 50 Kilometer mit 1.600 Höhenmetern vor dem Fünfergespann. Zur Wahrheit gehört eben auch, dass jetzt mehr (schnell) gewandert, statt durch die Gegend gerannt wurde. Egal ob es hoch oder runter ging, die von den Strapazen gezeichneten Körper wollten beides nicht mehr so richtig.  Aber es gibt ja noch den Kopf. Und in den fünf Köpfen entflammte eine gemeinsame Willenskraft. Mittlerweile tauchten auch immer wieder Freunde und Bekannte am Streckenrand auf, die mit ihrem teils unerwarteten Erscheinen für Aufheiterung und Anfeuerung sorgten. Weiter immer weiter war das Motto. 

Die Stunden vergingen, die Kilometer wurden immer länger, aber mit jedem Schritt weniger. Auf den letzten Kilometern ging es noch ein paarmal auf und ab durch die Weinberge, bis schließlich noch vor erneutem Einbruch der Dunkelheit der Ort Bockenheim ins Blickfeld kam. Die letzten 100 Meter reihten sich die „glorreichen Fünf“ nebeneinander und marschierten nach 33,5 Stunden Arm in Arm über die Zielmatte. Selten war der Spruch „die Schmerzen vergehen, der Stolz aber bleibt“ so passend wie nach diesem einmaligen Abenteuer. 

Herzlichen Glückwunsch an Melli und die Jungs Gunther, Wolfgang und Jürgen zu ihrem ersten 100 Meiler. 

Kalle

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